Prozessgestaltung Methodik

Grundsätzliches

Die Betreuung im Wohn- und Arbeitsbereich geht vom Normalisierungsprinzip sowie von der Hilfe zur Selbsthilfe aus. Die Selbstständigkeit der BewohnerInnen hat in dieser Hinsicht oberste Priorität. In allen Bereichen entscheiden diese nach ihren Möglichkeiten selber, wie sie ihren Lebensalltag gestalten möchten – den Rahmen dazu gibt die Hausordnung. Die BewohnerInnen werden unterstützt in diesem offenen Institutionsrahmen leben zu können und sich minimal in die Gemeinschaft einzufügen.

Jede Intervention zielt darauf ab, die physische wie auch psychische Befindlichkeit der Be­wohnerInnen zu verbessern. 

Tagesablauf

07.10–07.40 Uhr Frühstück
09.00–11.00 Uhr Beschäftigung oder Arbeit
11.30–12.15 Uhr Mittagessen
14.00–16.00 Uhr Beschäftigung oder Arbeit
17.30–18.15 Uhr Nachtessen
22.00 Uhr Nachtruhe

Wohnen / Freizeit

Im Wohnbereich gilt die Integration in die Gemeinschaft als oberste Zielsetzung. Mit dem kontrollierten Alkoholausschank und der individuellen Alltagsgestaltung wird eine möglichst hohe Selbstverantwortlichkeit der BewohnerInnen angestrebt. So gestalten sie ihre Zimmer selber und sind auch für deren Ordnung und Sauberkeit verantwortlich. Bei ihrer täglichen Hygiene oder bei lebenspraktischen Tätigkeiten werden die BewohnerInnen im Sinne der Zielsetzung durch die BetreuerInnen unterstützt, gefördert und auch kontrolliert.

Die Bewohner und Bewohnerinnen werden motiviert, sich an den täglichen Abläufen aktiv zu beteiligen und sich in den Begegnungszonen oder im Restaurant mit den anderen BewohnerInnen zu treffen. Fester Bestandteil des sozialen Lebens sind die beiden Hauptmahlzeiten, die gemeinsam im Speisesaal eingenommen werden.

Die BewohnerInnen erhalten Unterstützung im Gestalten ihrer Freizeit, indem Eigeninitiativen, bisherige Hobbies und Interessen nach Möglichkeit gefördert und in den Alltag integriert werden.

Zusätzlich organisiert die Institution als Anreiz zu einer aktiveren Freizeitgestaltung regelmässig interne wie auch externe Anlässe.

In der Freizeit kann Alkohol kontrolliert konsumiert werden. Der vernünftige Umgang mit den Suchtmitteln ist Teil der Tagesgestaltung.

Beschäftigung / Arbeit

Das vielfältige Beschäftigungsangebot soll den BewohnerInnen die Gestaltung des Alltags erleichtern, ein Arbeitstraining ohne Leistungsdruck darstellen und das Selbstwertgefühl wieder aufbauen oder verstärken. Durch Integration der BewohnerInnen in den gesamten Arbeitsprozess der Institution soll der Stellenwert, die Funktion, die Wichtigkeit ihrer Mitarbeit dokumentiert werden. Der Bewohner, die Bewohnerin soll das Gefühl haben „ich werde gebraucht“ / „ich trage etwas zum Funktionieren des Tagesablaufes bei“.

Die Mitarbeitenden versuchen die BewohnerInnen für eine Tätigkeit zu motivieren, indem sie ihnen ihren Möglichkeiten, Neigungen oder bisherigen Tätigkeiten entsprechend eine Beschäftigung anbieten.

Ziel ist es möglichst viele BewohnerInnen in irgendeiner Form in einen regelmässigen Arbeitsprozess zu integrieren. Die Arbeitsabläufe, die Zeiten wie auch die Anforderungen werden gezielt auf die BewohnerInnen abgestimmt.

Die Bewohner werden ihren individuellen Fähigkeiten entsprechend in den Arbeits- und Beschäftigungsprozess integriert. Als Anreiz wird den BewohnerInnen für die geleistete Arbeit eine Entschädigung (Pekulium) ausgerichtet. Die Höhe richtet sich nach der Arbeitsleistung. Die Arbeitsentschädigungen werden in einem persönlichen Konto gutgeschrieben und dienen, im Rahmen der kantonalen Weisungen, der Erfüllung persönlicher Wünsche.

Methoden

Um dem Prinzip der Einsicht und der Freiwilligkeit in der Betreuungsarbeit gerecht zu werden, setzen die MitarbeiterInnen verschiedene Methoden der Motivationsarbeit ein. So werden die BewohnerInnen, ihren Ressourcen und Eigenarten angepasst, in kleinen Lernschritten zur Übernahme von mehr Selbstverantwortung in ihrem Alltag angeleitet. In der Regel wird der Rahmen, die Kontrolle durch die Mitarbeitenden kontinuierlich abgebaut, die BewohnerInnen erhalten zunehmend mehr Freiraum – z.B. von begleiteten Ausgängen hin zu längeren Ferien oder von der Abgabe von täglichem Taschengeld zur Verantwortung über den vollen Betrag. Bei Nichteinhalten der Vereinbarungen wird die Kontrolle durch die Mitarbeitenden wieder erhöht oder der Rahmen enger gesteckt (z.B. keine unbegleiteten Ausgänge mehr). Um Widerstand, Stress oder Demotivation der BewohnerInnen durch Überforderung zu vermeiden, achten die Mitarbeitenden jeder Zeit darauf die BewohnerInnen in dem Mass zu fordern bzw. zu fördern, dass sie möglichst nachhaltige Erfolgserlebnisse erfahren können.

Im Arbeitsbereich gelten die gleichen Prinzipen. In verschiedenen Gesprächen und Schnuppereinsätzen wird versucht herauszufinden, welche Tätigkeiten dem Bewohner, der Bewohnerin entsprechen könnten. Durch die Höhe des Arbeitsgeldes kann die Bereitschaft zur Mitarbeit bzw. Beschäftigung zusätzlich verstärkt werden.

Generell wird im Umgang mit den BewohnerInnen nach einer individuellen Förderplanung gearbeitet. Bei Selbst- und Fremdgefährdung steht als äusserste Intervention ein Isolierzimmer zur Verfügung. Der Einsatz dieser Massnahme ist auf den Gesamtleiter oder die Pflegedienstleitung beschränkt.

Dokumentation

Über jede Bewohnerin, jeden Bewohner wird eine Akte geführt, wo alle relevanten Informationen dokumentiert werden (Protokolle der Standortgespräche, besondere Ereignisse, Personalunterlagen usw.). Der Sozialdienst oder die zuständigen BetreuerInnen aktualisieren die persönlichen Akten laufend. Die Akteneinsicht bleibt auf den Sozial- und Betreuungsdienst beschränkt. In besonderen Fällen wird der Arbeitsbereich orientiert.

Zusätzlich wird jeder Prozessverlauf mittels Kardex dokumentiert.